Hetzleser Berg (Kopfeichen)

Ansprechpartner
Leonhard Anwander
Projektmanager  
Tel.: 09191/86-4304
leonhard.anwander[at]lra-fo.de

 

Kopfweiden sind vielen Menschen ein Begriff. Dass es aber auch Kopfeichen gibt, wissen nur wenige. In ganz Bayern, sogar bundesweit,  ist diese alte Nutzungsform ausgesprochen selten. Rund um den Hetzleser Berg im Landkreis Forchheim gibt es noch fast 1000 dieser mächtigen Bäume.

Die Eichenrinde der Äste, die früher regelmäßig auf „Kopf“ zurückgeschnitten wurden diente der Ledergerbung, das Holz als Brennstoff. Durch den Rückschnitt entstand die typische Kopfform. Nach dem Krieg wurde diese Nutzung nach und nach aufgegeben, da chemische Gerbstoffe die Eichenrinde ersetzten. Zur Blütezeit der Textilindustrie im Regnitzgebiet mit Firmen wie Weber & Ott in Forchheim oder ErBa in Erlangen war der Bedarf an gegerbtem Leder hoch. Viele mechanische Verbindungen wie z. B. an Webstühlen wurden von Lederteilen gehalten, man rechnete eine halbe Rindshaut pro Monat pro Webstuhl. Dies zeigt auf warum sich die Nutzung von Kopfeichen im Gebiet um den Hetzleser Berg zentriert.





Die zum Teil Jahrhunderte alten Bäume weisen hohe Totzholzanteile, Faulstellen und Höhlen auf, die für viele Insekten, aber auch höhlenbrütende Vogelarten und Fledermäuse Lebensraum bieten. Im morschen Holz (Mulm) leben zum Beispiel viele seltene Käfer, darunter EU-weit gefährdete Arten wie der Eremit oder der Hirschkäfer. Die Kopfeichen am Hetzleser Berg beherbergen die größte Eremitenpopulation in Bayern. Bis zu 245 xylobionte Käfer und viele weitere Insekten- und Schmetterlingsarten nutzen die Eichen als Lebensraum, genauso wie Spechte, Siebenschläfer und zahlreichen weitere Vogel- und Tierarten. Mehrere hundert Jahre alte Bäume im Waldbestand sind durch die Waldnutzung selten geworden und dadurch auch der Lebensraum der Fauna, die auf Altbäume und die oben genannten Strukturen angewiesen sind, deswegen sind die Kopfeichen, weil sie auch noch so gehäuft auftreten, ein wichtiger Landschaftsbestandteil und Habitatbaum.

Eines der Ziele des Naturschutzprojektes, das vom Bayerischen Naturschutzfonds gefördert wird, ist deshalb der Erhalt der Kopfeichen als Zeugen einer alten Nutzungsform sowie als wichtiger Lebensraum für holzbewohnende Käfer.

Da die Austriebe im Lauf der Zeit immer schwerer werden, drohen die Bäume auseinander zu brechen. Ein turnusmäßiger Rückschnitt ist deshalb wichtig. Der Landschaftspflegeverband will die Eigentümer der Bäume bei diesen Pflegemaßnahmen, die natürlich freiwillig sind, unterstützen.



Das Projekt dient aber auch dem Erhalt der großartigen Kulturlandschaft am Westrand des Hetzles mit ihren Bächen, Streuobstwiesen und Hecken. Für die Einheimischen soll so ein Teil ihrer Heimat bewahrt werden, für die Bewohner der nahen Großstädte soll die überaus reichstrukturierte Landschaft der Erholung dienen.

Das Alleinstellungsmerkmal dieses Gebietes in Deutschland gilt es besonders zu erwähnen, die Häufung vieler alter Kopfeichen in einem Gebiet in der direkten Vernetzung mit Hecken, Streuobstwiesen, blütenreichen Mähwiesen in einer kleinräumigen Landschaft, sind der ideale Lebensraum für eine vielfältige Fauna und Flora. Aber auch der kulturhistorische Aspekt ist nicht zu vernachlässigen, bildete doch die Nutzung der Kopfeichen die Basis für einen ganzen Industriezweig in der Region.

Das Projekt „Kultur- und Naturlandschaft mit Kopfeichen am Hetzleser Berg“ wird gefördert über den Bayerischen Naturschutzfonds aus Zweckerträgen der GlücksSpirale.

[Zur Broschüre "Kopfeichen am Hetzleser Berg"]

[Xylobionte Käfer in den historischen Kopfeichen am Hetzleser Berg]

[Dreijahres-Monitoring von Brutbäumen (Kopfeichen) des Eremiten am Hetzleser Berg]