Streuobstlandschaften im Landkreis Forchheim

- Erhalt, Pflege, Verwertung -



Ansprechpartner
Claudia Munker
Tel.: 09191/86-4306
claudia.munker[at]lra-fo.de

Eine Übersicht über das aktuelle Angebot finden Sie [hier]

Hintergrund

Der Landkreis Forchheim beherbergt immer noch eines der bekanntesten und größten Streuobstgebiete in Bayern- obwohl auch hier in den letzten Jahrzehnten ein starker Verlust an landschaftsprägenden Streuobstbeständen zu verzeichnen ist. Die naturschutzfachliche Bedeutung der Streuobstbestände wurde gerade auch im Rahmen des noch laufenden BNN-Projektes "Kultur- und Naturlandschaft mit Kopfeichen am Hetzleser Berg" durch die verschiedenen Untersuchungen wie zu den xylobionten Käfer der Streuobstbestände am Hetzleser Berg", zur "Vogelwelt am Hetzleser Berg" sowie die Erfassung der Kernobstsorten im Rahmen des Biodiversitätsprojekts der Regierung von Oberfranken aufgezeigt. Eine Hauptursache für den starken Rückgang der alten Streuobstanlagen ist die mangelnde Pflege bzw. fehlende Nutzung mit der einhergehenden "Überalterung". Nachpflanzungen fehlen oft, so dass in nicht allzu ferner Zukunft die Streuobstbestände aus dem Landkreis wohl zum größten Teil verschwunden sein werden.

Trägerschaft und Projektdauer
Die Trägerschaft soll durch den Landschaftspflegeverband Forchheim e.V. übernommen werden.
Geplanter Projekt-Zeitraum: Dezember 2019 – Dezember 2020

Projekt-Partner
Projektpartner sind der Naturpark Fränkische Schweiz-Frankenjura und der Kreisverband für Gartenbau.
Das Projekt soll in Abstimmung mit den Naturschutz- und Landwirtschaftsbehörden und gemeinsam mit den betroffenen Kommunen sowie dem Landkreis Forchheim durchgeführt werden.
Durch die geplante enge Zusammenarbeit zwischen Naturschutz und Landwirtschaft wird das Projekt in besonderem Maße dem Ansatz der Bayerischen Biodiversitätsstrategie gerecht: Nur durch eine enge Kooperation zwischen allen Beteiligten ist eine nachhaltige Sicherung der biologischen Vielfalt in Streuobstbeständen möglich. Die vertrauensvolle Zusammenarbeit ist zudem eine der Grundprinzipien bei der Umsetzung von Maßnahmen nach der Landschaftspflege- und Naturparkrichtlinie.

Projekt-Gebiet
Das Projektgebiet umfasst den gesamten Landkreis Forchheim.

Projekt-Umsetzung und konkrete Arbeitsschwerpunkte
Der LPV Forchheim übernimmt die Trägerschaft. Projektpartner sind die betroffenen Gemeinden und der Landkreis Forchheim. Es ist beabsichtigt, unmittelbar nach Bewilligung des Projekts eine projektbegleitende Arbeitsgruppe zu bilden. Dem „Kern“ der Arbeitsgruppe sollen neben dem Projektträger die Gemeinden, die Verbände, die Fachberatung für Gartenbau sowie Vertreter der Naturschutz- und Landwirtschaftsbehörden angehören. Bedarfsweise kann dieses zentrale Koordinierungsgremium im Verlauf des Projekts weitere Partner hinzuziehen.

Die Projektsteuerung soll durch den LPV Forchheim übernommen werden.
Die Aufgabenbereiche der Projektsteuerung umfassen vor allem:
- Betreuung/ Beratung des Projektmanagers
- Kontakt zu Politikern und beschließenden Gremien
- Förder- und Haushaltsangelegenheiten
- Mediation bei Konflikten
Zusammen mit unterer und höherer Naturschutzbehörde bildet der LPV eine Projekt-Steuergruppe, in der wichtige Entscheidungen zum Projektablauf gefällt und Projektabläufe/ -fortschritte überwacht werden sollen. 

Die Aufgaben des Projektmanagements umfassen insbesondere:
- Information der Partner und weiterer Akteure über Inhalte, Ziele des Projekts sowie deren Umsetzung
- Abstimmung mit Fachbehörden
- Realisierung und Flächenmanagement
- Leitung und Moderation der projektbegleitenden Arbeitsgruppe
- Naturschutzfachliche Beratung: Intensive Aufklärung und Beratung (fördertechnisch und naturschutzfachlich) interessierter Landwirte und Eigentümer von ökologisch hochwertigen Streuobstbeständen und weiterer wertvoller Lebensräume
- Vorbereitung von VNP- Abschlüssen und Initiierung von Landschaftspflegeanträgen
- Dokumentation der Maßnahmen und Erfahrungen im Projekt
- Fachliche Mitwirkung bei der Konzeption, Vorbereitung, Umsetzung und Evaluation von Landschaftspflegemaßnahmen 

Datenerhebung und Planung
- Entwicklung oder Vergabe und Begleitung von Erhebungen 

Öffentlichkeitsarbeit und Umweltbildung
- Entwicklung und Umsetzung einer umfassenden und intensiven Öffentlichkeitsarbeit
- Führungen, Exkursionen, erlebnispädagogische Angebote, Ausstellungen zur Bedeutung von Streuobst und von artenreichem Grünland und deren Pflege (Biodiversität und extensive Landnutzung)
- Kontakt zu den Medien
- Beratung von Landwirten/Kommunen/Privatpersonen zur Anlage und Pflege von Streuobstwiesen
- Ausbildung von Baumwarten/Schulungen Obstbaumschnitt
- Anfertigung von Infomaterial
- Vorbereitung und Durchführung von Informationsveranstaltungen
- Vorbereitung einer Broschüre

Ziel ist die Sensibilisierung von weiten Bevölkerungskreisen für das Thema Streuobst, Biodiversität und Biotopvernetzung mit konkretem Bezug zum landschaftsprägenden, artenreichen Grünland, zur Situation der Landwirtschaft und biologischen Vielfalt in den Projektgebieten. Es ist beabsichtigt, die Öffentlichkeit intensiv bei dem Projekt zu beteiligen und einzubeziehen. Dies kann beispielsweise geschehen durch:
- eingehende Erläuterung des Vorhabens bei Veranstaltungen in den betroffenen Gemeinden unter Beteiligung der Behörden und Verbände
- Berichterstattung in den Medien
- Prämierung besonders schöner landschaftsprägender Streuobstbestände
- Einbringung der Streuobstbestände bei Wanderungen über die örtlichen Vereine und Tourismusbüros
- Fachexkursionen für Projektpartner und Öffentlichkeit
- Vorbereitung von Faltblättern und Broschüren
- Vorbereitung von Ausstellungspostern
- Projektpräsentation bei relevanten Veranstaltungen in der Region

Im Rahmen des Projektes soll/kann eine Streuobstinitiative aufgebaut werden.
Die geplante Initiative soll folgende Ziele haben:
- Erhaltung der Obstsortenvielfalt
- Aufbau eines Sortengartens (siehe Landschaftspflegemaßnahmen)
- Förderung, Pflege und Neuanlage von Obstwiesen
- Angebot und Hilfestellung bei Vermarktung und Verwertung
- Aufbau eines Netzwerkes
- Baumpflanzaktionen
- Umweltpädagogik
- Höhere Wertschöpfung für Obst
- Aufbau regionaler Verarbeitungs- und Vermarktungsschienen (z. B. speziell für alte Sorten)
- Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen für Pflanzen, Tiere und uns Menschen
- Maßnahmen zur Förderung regionaler Vermarktung
- Spezielles Mähgerät zur Pflege unter Obstbäumen
- Kauf eines Obstsammlers mit Anhänger
- Kauf eines Seilschüttlers
Die Gerätschaften sollen der noch zu gründenden Initiative oder dem Kreisverband für Gartenbau- und Landschaftspflege zur Bewirtschaftung überlassen werden. Die Gerätschaften werden nur angeschafft, wenn Bedarf angemeldet wird und wenn Unterhalt/Wartung gesichert sind. Sie werden nur für den Zweck der Förderung der Streuobstlandschaften, also zur Erreichung der Projektziele, eingesetzt. 

Erhebungen
Mögliche Maßnahmen:
- Erfassungen xylobionte Käfer
- Erhebung Brutvögel
- Erhebung alter Obstsorten
Die Methodik und Durchführung der Erhebungen sowie die Auswahl der Zielarten soll in Absprache mit den Naturschutzbehörden erfolgen. Die Ergebnisse sollen Grundlage sein für zukünftige Erfolgskontrollen bzw. ein Monitoring. 

Landschaftspflegemaßnahmen
Anlage von Muster-/Sortenanlagen
Bis zu 200 Obstbäume (Neupflanzung).
Ökologischer, nachhaltiger Streuobstbaumschnitt in Schwerpunktgebieten (wie NATURA 2000-Gebieten)
Bis zu 200 Obstbäume
Zusätzlich können verstärkt unabhängig von den Projektgeldern zusätzliche weitere Fördermittel über die Bayerische Landschaftspflege- und Naturparkrichtlinie (LNPR) sowie das Bayerische Vertragsnaturschutzprogramm (VNP) in das Projektgebiet fließen.